Der Schnelllieferdienst Getir steht möglicherweise kurz vor einem umfassenden Rückzug aus den europäischen Märkten, einschließlich Deutschland. Dies könnte das Ende der Aktivitäten des Unternehmens und seiner Tochtergesellschaft Gorillas in diesen Regionen bedeuten. Investoren haben bisher Milliarden Euro in das Unternehmen investiert, was nun verloren sein könnte.
Es verdichten sich Berichte, dass Getir, hauptsächlich finanziert durch den arabischen Staatsfonds Mubadala, sowie die Investoren Sequoia und Tiger Global, den Rückzug aus Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland plant. Quellen der Lebensmittelzeitung (LZ) bestätigen diese Informationen. Sky News berichtet, dass die genannten Investoren bereit sind, zusätzliche finanzielle Mittel bereitzustellen, um den geordneten Rückzug und die damit verbundenen Stellenstreichungen zu finanzieren.
In Großbritannien beschäftigt Getir etwa 1500 Mitarbeiter, in Deutschland sind es rund 1800, einschließlich Fahrer und Zentrale. Auf Anfrage der LZ wollte Getir keine Stellungnahme zu diesen Marktgerüchten abgeben.
Sollte Getir tatsächlich aus den westeuropäischen Märkten aussteigen, wären die Investitionen in Milliardenhöhe weitgehend verloren. Allein der deutsche Pionier Gorillas, den Getir später übernommen hatte, erhielt zwischen 2020 und Ende 2022 etwa 1,2 Milliarden Euro von Investoren. Getir selbst sammelte seit seinem Markteintritt in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien im Jahr 2021 rund 2,1 Milliarden Euro ein, um die Expansion außerhalb der Türkei zu finanzieren.
Insider sprechen von einer enormen Geldmenge, die verbrannt worden sei. Es lässt sich schwer genau beziffern, wie viel von außen verloren ging. Bekannt ist lediglich, dass Getir in mehreren Tranchen 57 Millionen Euro Eigenkapital in die deutsche Gesellschaft eingebracht hat. Ein Großteil davon dürfte inzwischen aufgebraucht sein, falls der Rückzug erfolgt.
Währenddessen verzeichnet der deutsche Konkurrent Flink positive Entwicklungen. Noch vor Kurzem schien eine Übernahme durch Getir unausweichlich, doch nun gibt es wöchentlich positive Berichte. Insider berichten, dass die vergangene Woche die bisher profitabelste in der Unternehmensgeschichte von Flink war.
Dank der Erreichung der Ertragsziele, die in der Finanzierungsrunde im Sommer 2023 festgelegt wurden, haben die bestehenden Investoren Flink kürzlich weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Etwa ein Drittel der 100 Millionen Euro ist bereits an Flink geflossen, wodurch die Rewe-Beteiligung bis zum Herbst finanziert ist.
Sollte Getir tatsächlich den europäischen Markt verlassen, könnte Flink als letzter Vertreter des Quick-Commerce in Deutschland übrig bleiben.
