Galeria neigt sich finanziell wieder einmal in eine Schieflage. Jetzt sollen sämtliche Ausgaben auf den Prüfstand gestellt werden. Kosten sollen gespart werden. Der mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelte Sanierungstarifvertrag wurde gekündigt und neue Verhandlungen wurden angekündigt. Es geht sogar so weit, dass Rolltreppen ausgeschaltet werden, um Kosten einzusparen. Laut Informationen, die der Immobilienzeitung vorliegen sollen, spüren auch die Eigentümer der Häuser die Krisen-Situation. In einigen Fällen soll die Oktober-Miete noch ausgeblieben sein.
Der Warenhaus-Konzern ist von den politischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stark betroffen worden. So wurden im Geschäftsjahr 2020/21 (30. September 2021) lediglich Einzelhandelsumsätze in Höhe von 1,85 Mrd. Euro erzielt. Im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr sind das rund 1,1 Mrd. Euro weniger. Die aus diesen Verhältnissen resultierenden Verluste haben mittlerweile die größten Teile des Eigenkapitals des Unternehmens aufgezehrt.
Eigentümer Signa hatte Galeria über die drei Gesellschaften Signa Prime (149 Mio. Euro), Signa Holding (125 Mio. Euro) und Signa Development (50 Mio. Euro) für das Geschäftsjahr 2019/20 Vermieterzuschüsse in Höhe von 324 Mio. Euro gebilligt: „Die Vermieterzuschüsse betreffen überwiegend Zuschüsse im Rahmen der Anpassung von Mietverträgen mit der Signa Unternehmensgruppe mit einer verbleibenden Laufzeit von 25 Jahren“, kann im Geschäftsbericht 2020/21 gelesen werden.
Der aktuelle Umsatz von Galeria entspricht ungefähr dem von Karstadt im letzten Geschäftsjahr 2018/19. Damit schafft der fusionierte Konzern weniger als die Hälfte des Umsatzes, den Kaufhof und Karstadt noch vor der Verschmelzung allein erzielt hatten. Für den Rückgang der Umsätze ist jedoch nicht ausschließlich die Lockdown-Politik verantwortlich. Im Zuge des letzten Insolvenzverfahrens 2020 wurden bereits 40 Filialen geschlossen: „Bei solchen Umsatzverlusten bekommen natürlich nun auch die guten Warenhaus-Standorte Probleme“, äußert sich ein Marktbeobachter gegenüber der Immobilienzeitung.
Die aktuelle Lage des Unternehmens wird noch einmal durch die anhaltende Konsumzurückhaltung wegen der hohen Inflation verschärft. Auch die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt helfen nicht. Gestiegene Energiepreise setzen den Konzern weiter unter Druck. Aus verschiedenen Medien heißt es, dass das Unternehmen erneut Staatshilfen beantragt hat. Insgesamt wurden aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung 680 Mio. Euro ausgezahlt. Für die aktuelle Situation wäre wohl erneut ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag notwendig.
