Erwin Müllers Nachfolge verlässt Unternehmen

26. August 2022 – Günther Helm verlässt plötzlich Müller. Es scheint zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem bisherigen CEO und dem Inhaber Erwin Müller gekommen zu sein. Nun übernimmt der fast 90-jährige Patriarch wieder die Kontrolle über den Kaufhauskonzern.

Quelle: Müller Handels GmbH & Co. KG/ Wikimedia Commons

Unerwartet plötzlich trennen sich der bisherige Müller-CEO Günther Helm (43) und Inhaber Erwin Müller (89). Der Abgang rührt Unruhen im Hause an. Zwar galt das Verhältnis zwischen dem österreichischen Manager und dem Müller-Inhaber seit geraumer Zeit als angespannt, dennoch kommt eine so folgenreiche Eskalation überraschend.

Erwin Müller ist dafür bekannt, immer wieder in das operative Geschäft des Kaufhauskonzerns einzugreifen. Er setzte etwa gegenüber seinem CEO und der übrigen Manager-Mannschaft eine Änderung in der Preisgestaltung durch. Ein verstärkter Einsatz von Dauerniedrigpreisen sollte zum Einsatz kommen, was die Manager überraschte. Der Drang zum Einmischen soll so weit entwickelt sein, dass Müller seinen Führungskräften teilweise angeordnet habe, sie sollen sich ausschließlich an ihn direkt wenden. Entsprechend ist nicht ganz klar, inwiefern Müller der Arbeit von Helm vertraute oder ob er ihn überhaupt an der Konzernspitze stehen haben wollte.

Zuletzt wurde erst mit Alfred Glander ein Discountmanager, der aktuell im Kik-Vorstand sitzt, unter Vertrag genommen. Der Topmanager soll als Vorstand für die beiden Stiftungen zur Bewahrung des Vermächtnisses des Inhabers eingesetzt werden. Dem Unternehmen nahestehende Kreise kennen jedoch auch eine alternative Interpretation, nach der Glander als Konkurrent zu Helm an Board gebracht wurde.

Nach dem Abgang von Helm übernimmt wieder Inhaber Müller die Führung des Unternehmens. So heißt es auch in einer durch ihn unterzeichneten internen Mitteilung. In der Leitung wird er durch Einkaufschefin Elke Menold, Finanzchef Niklar Mehnert, Vertriebsleiter Adriano Iemma und Personalchefin Kerstin Junginger unterstützt. Zur Causa Helm äußert er sich in der Art, dass er „im Einvernehmen das Unternehmen nach drei Jahren“ verlasse und „sich neuen Herausforderungen“ stellen möchte. Weiterhin bedankt sich Erwin Müller für den Einsatz seines bisherigen CEOs in der Mitteilung.

Helm selbst kann bisher auf eine steile Karriere zurückblicken. Als ehemaliger Hofer-Chef gelang ihm eine steile Karriere im Discount, bis er im Juni 2019 zu Müller wechselte. Grundsätzlich war die Idee des Umzugs in die Ulmer Chefetage, dass Helm zentraler Baustein eines Generationenwechsels werden sollte. Helm konnte sich länger als andere in der Topetage halten, ging jedoch schließlich auch selbst. Angeblich habe er sich in seiner Zeit bei dem Unternehmen nicht nur Freunde gemacht. Es soll etwa zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem damaligen Finanzchef Christian Remy gekommen sein, woraufhin Remy den Konzern überraschend verließ.

Während seiner Zeit führte Helm den Konzern durch die Corona-Jahre und schaffte Rekordergebnisse. Das Filialnetz wurde währenddessen auf ca. 900 Filialen ausgebaut. Außerdem gelang es dem Topmanager Inhaber Müller von der Wichtigkeit des Online-Geschäfts und dem Einstieg in die Fernseh-Werbung zu überzeugen. Helm startete auch die Müller-App sowie eine Kundenkarte und die Möglichkeit einer Heimzustellung zum Weihnachtsgeschäft 2020, zunächst nur in Deutschland und dann auch in Österreich.

Im Frühjahr dieses Jahres hat sich die Stimmung jedoch scheinbar immer schlechter entwickelt. Die Ulmer Zentrale verließen in einer recht schnell Taktung insgesamt sieben Führungskräfte. Noch im April kündigte zunächst Vertriebschef Lukas Lobensommer. Anschließend folgten ihm Finanzchef Christian Remy und Personalchefin Bettina Geiger. Auch die Landesgeschäftsführer Markus Müller (Spanien), Márton Laszlo (Ungarn) und Julian Hödelmayr (Österreich) verließen den Konzern.  Im Zuge dieses losgetretenen Personalroulettes begannen auch die Gerüchte, dass sich Helm ebenfalls nach einem neuen Posten umsehen würde. Nachdem Helm das Vertrauen Müllers verloren hat, ging der Manager, genauso wie bereits mehrere herbeigesehnte Hoffnungsträger vor ihm.