Edeka sichert sich größtes Tegut-Standortpaket

12.06.2026 - Edeka plant im Rahmen der angekündigten Übernahme von Tegut-Standorten offenbar einen deutlichen Schwerpunkt auf die Versorgung über ihre Discountschiene: Nach Informationen aus dem Umfeld der Verhandlungen soll die Edeka-Discounttochter Netto das größte Paket der insgesamt 202 für die Übernahme angemeldeten Standorte erhalten. Vorausgesetzt ist dabei wie üblich eine kartellrechtliche Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Quelle: EDEKA/verbund.edeka

Wie aus den laufenden Prüfungen hervorgeht, verteilt Edeka die angemeldeten Märkte nicht einheitlich auf die verschiedenen Regionen, sondern verfolgt ein Bündelkonzept, das vor allem kleinere Flächen in den Fokus nimmt. Nach Recherchen werden der Discounttochter Netto – vorbehaltlich der kartellamtlichen Zustimmung – über 60 Standorte zugeordnet. Die Edeka-Verteilung wirkt damit klar darauf ausgelegt, dass viele der kleineren Tegut-Märkte in ein zu erwartendes wirtschaftliches Betriebsmodell überführt werden, während andere Pakete bei regulären Formaten bzw. Vertriebskanälen landen.

Bei den angemeldeten Standortkontingenten zeigen sich Unterschiede zwischen den Edeka-Regionen: Die Regionen Südwest und Hessenring sollen demnach jeweils etwas weniger Märkte eingereicht haben. Für beide Regionen wird übereinstimmend von jeweils rund 50 Standorten ausgegangen. Dass es in Teguts angestammten Gebieten nicht zu noch größeren Paketen kam, wird unter anderem mit einer bereits hohen Marktdichte im Lebensmitteleinzelhandel begründet. So liegt Edeka in einzelnen Absatzregionen nach Daten von Trade Dimensions auf einem besonders hohen Marktanteil – dort beträgt er rund 32 Prozent. Solche Strukturen begrenzen kartellrechtlich jedoch häufig den Handlungsspielraum.

Kartellrechtliche Rahmenbedingungen werden im Verfahren auch an den konkreten Angebots- und Regionenzuschnitten sichtbar. Hintergrund ist, dass die Schweizer Migros als damalige Tegut-Mutter der Regionalgesellschaft nach Angaben aus dem Markt offenbar nicht beliebig viele weitere Standorte offeriert habe. Diese Grenzen spiegeln sich nun in der Zahl der bei der Behörde angemeldeten Tegut-Flächen wider.

Die in Hessenring angemeldeten Standorte sollen neben kleineren Nahversorger-Konzepten auch mehrere innerstädtische Märkte umfassen – unter anderem in Marburg und Erfurt. Edeka Südwest setzt demgegenüber stärker auf die Rhein-Main-Region. In und um Frankfurt ist Edeka im Vergleich zum Wettbewerber Rewe nach Marktdaten weniger präsent; entsprechend richten sich die Anmeldungen hier offenbar auch auf Ausgleichs- und Ausbaupotenziale.

Auch die Pakete der übrigen Regionen werden im Verfahren sichtbar: Die Kontingente, die die Regionen Nordbayern-Sachsen-Thüringen und Südbayern im Blick haben, gelten dem Vernehmen nach als ähnlich groß, jedoch insgesamt deutlich kleiner als in Südwest/Hessenring. Geplant sei jeweils die Übernahme von rund 15 Tegut-Flächen der Schweizer Migros-Tochter. Auch hier gelten kartellrechtliche Grenzen: Im Raum Würzburg ist die Marktkonzentration von Edeka bereits hoch. Südbayern konzentriert sich demnach vor allem auf den Münchener Raum, darunter auch mehrheitlich Tegut-Standorte, die Tegut Ende 2023 übernommen hatte – etwa im Bereich Basic-Biomärkte.

Wie die beteiligten Edeka-Regionen und die Zentrale die Anmeldungen gegenüber der Presse bewertet haben, blieb offenbar ohne belastbare Stellungnahme: Anfragen dazu wurden entweder nicht beantwortet oder vollständig abgelehnt. Bereits bekannt war jedoch, dass die Edeka-Zentrale ein Bündel fester Bausteine übernimmt. Dazu gehören demnach 41 Teo-Smart-Stores, das Logistikzentrum sowie die Bäckerei Herzberger und die Tegut-Zentrale. Zusätzlich sollen auch zwei Gewerbeimmobilien in das Paket der Zentrale fallen.

Dass Netto über mehr als 60 Standorte im Verfahren verfügt, begründen Insider vor allem mit der Flächengröße. Viele dieser Standorte seien eher klein; in einem klassischen Vollsortiments- bzw. großflächigen Betriebsmodell ließe sich damit häufig nur begrenzt wirtschaftlicher Erfolg erzielen. Das Discount-Konzept von Netto ermögliche hier offenbar bessere Voraussetzungen: Rund 40 Prozent der insgesamt knapp 300 Tegut-Standorte liegen laut Marktforschungsdaten im Größenkorridor von etwa 400 bis 1.000 Quadratmetern – ein Spektrum, das typischerweise eher zum Netto-Profil passt.

Ein Teil der Märkte soll außerdem über einen weiteren Betreiber-Schritt organisiert werden: Mit 36 Standorten übernimmt demnach der Smart-Store-Betreiber Tante Enso einen Teil des Portfolios. Diese Märkte werden über Rewe beliefert. Insgesamt haben Tante Enso bzw. der Betreiber nach den Informationen zudem weitere eigene Anmeldungen im Verfahren im Blick. Zudem wird ein kleinerer Anteil dieser Händleroptionen offenbar der Discounttochter Penny zugeordnet, deren Beteiligung in den Anmeldungen als Zusatzbaustein auftaucht.

Parallel laufen die Prüfungen des Bundeskartellamts für die Anträge von Rewe und Edeka. Eine Entscheidung wird dem Vernehmen nach frühestens im August erwartet. Sollte sich im Prüfverfahren zeigen, dass einzelne angemeldete Standorte weder an Rewe noch an Edeka übergehen dürfen, könnten kleinere Wettbewerber als Käufer nachrücken. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem der Pfälzer Händler Wasgau sowie ein größerer deutscher Biomarktbetreiber.

In Summe deutet das Anmelde- und Paketkonzept darauf hin, dass Edeka die Marktintegration von Tegut gezielt auf die unterschiedlichen Betreiberprofile zuschneidet – mit Netto als Hauptziel für zahlreiche kleinere Standorte. Für die Immobilienmarktbeobachtung ist das Verfahren zugleich relevant, weil die Entscheidung des Kartellamts darüber mitbestimmt, welche Standorte kurzfristig in welcher Form neu ausgerichtet oder weiterentwickelt werden können.