Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Edeka Minden-Hannover einen Umsatz von 12,43 Mrd. Euro und lag damit 1,6% über dem Vorjahreswert. Angesichts einer Inflationsrate von 2,2% entspricht dies real einem rückläufigen Wachstum. Der Jahresüberschuss belief sich auf 160 Mio. Euro. Vorstandssprecher Mark Rosenkranz bewertete die Entwicklung dennoch positiv und verwies auf die weiterhin hohe Wettbewerbsintensität im Lebensmitteleinzelhandel. Die außergewöhnlichen Wachstumsraten aus den Pandemie-Jahren seien nicht mehr als Maßstab geeignet. Vielmehr habe sich der Markt inzwischen auf ein niedrigeres, aber stabiles Wachstumsniveau eingependelt.
Die vergangenen Jahre seien für den Lebensmittelhandel insgesamt von starken Verwerfungen geprägt gewesen. Während der Corona-Pandemie stiegen die Umsätze deutlich an, ehe die Inflation infolge des Ukraine-Kriegs die Konsumstimmung erheblich belastete. Laut Rosenkranz habe die starke Preisentwicklung bei vielen Verbrauchern zu einer ausgeprägten Sensibilität gegenüber Preissteigerungen geführt. Entsprechend schwierig bleibe es, höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben. Der Wettbewerbsdruck durch Discounter sei weiterhin hoch – auch innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe mit Blick auf die Discounttochter Netto.
Trotz dieser Rahmenbedingungen erhöht Edeka Minden-Hannover seine Investitionen 2026 auf insgesamt 684 Mio. Euro. Im Vorjahr lag das Investitionsvolumen noch bei 557 Mio. Euro. Rund 397 Mio. Euro und damit etwa 60% der Gesamtsumme entfallen auf Grundstücke, Immobilien und Ladenausstattungen. Das Unternehmen sieht ein leistungsfähiges Filialnetz weiterhin als zentrale Grundlage seines Geschäftsmodells und nutzt nach eigener Aussage gezielt Gelegenheiten zum Erwerb attraktiver Standorte.
Edeka Minden-Hannover ist die umsatzstärkste der sieben Edeka-Regionalgesellschaften. Das Vertriebsgebiet erstreckt sich von der niederländischen bis an die polnische Grenze und umfasst unter anderem Niedersachsen, Bremen, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt sowie Teile Ostwestfalen-Lippes. Von den rund 1.500 Märkten werden etwa drei Viertel von rund 650 selbstständigen Kaufleuten betrieben. Diese erwirtschaften rund 80% des Gesamtumsatzes, während die verbleibenden Erlöse auf Regiemärkte entfallen.
Für das laufende Jahr plant die Gesellschaft 25 neue Märkte, sieben Erweiterungen sowie 135 Modernisierungsmaßnahmen. Insgesamt sollen dadurch rund 64.500 qm zusätzliche Verkaufsfläche entstehen. Bereits 2025 wurden ebenfalls 25 neue Standorte eröffnet. Hinzu kamen 23 Erweiterungen und 187 Modernisierungen bestehender Märkte.
Besonders hervorzuheben ist dabei die Neugestaltung des Lausitzparks in Cottbus. Mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro handelt es sich um das bislang größte Einzelstandortprojekt der Regionalgesellschaft. Aufmerksamkeit erhielt zudem ein neuer Markt im Braunschweiger Stadtteil Lamme, der unter Einsatz modularer Holzbausteine des Unternehmens Triqbriq errichtet wurde.
Parallel setzt Edeka Minden-Hannover die Umstrukturierung einzelner Vertriebslinien fort. Die bisherigen NP-Märkte, die vor allem im ländlichen Raum vertreten sind, werden seit 2021 schrittweise auf das Format „Nah & Gut von Edeka“ umgestellt. Auch im Bereich der Schäfer’s-Bäckereien stehen Veränderungen an. Ein Teil der Stand-alone-Filialen soll geschlossen werden. Hintergrund ist nach Unternehmensangaben die anhaltende Konsolidierung im Bäckerhandwerk.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Ausbau der Logistik. In Bückeburg entsteht derzeit für rund 180 Mio. Euro ein neues Gebäude für gekühlte Lebensmittel. Die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen. Nutzer der Anlage wird die konzerneigene Fleisch- und Wurstwarenproduktion Bauerngut sein. Geplant ist ein Logistikbau mit rund 150 m Länge, 90 m Breite und knapp 26 m Höhe auf einem 54.000 qm großen Grundstück.
Zusätzlich hat Edeka Minden-Hannover ein etwa 75 ha großes Areal in Brieselang bei Berlin erworben. Dort soll ein weiteres Logistikzentrum entstehen, für das Investitionen von rund 300 Mio. Euro vorgesehen sind. Derzeit arbeitet das Unternehmen an der Schaffung des notwendigen Baurechts. Die Gemeindevertretung von Brieselang hat dem Vorhaben bereits zugestimmt. Das Projekt gilt unter anderem als möglicher Ersatz für das inzwischen geschlossene Amazon-Logistikzentrum vor Ort.
Auch im Berliner Einzelhandel baut die Regionalgesellschaft ihre Präsenz weiter aus. So wurde die ehemalige C&A-Immobilie in Berlin-Tegel übernommen. Das Unternehmen prüft derzeit die Rahmenbedingungen für eine Projektentwicklung mit einem neuen Edeka-Markt. Berlin und Brandenburg gelten laut Rosenkranz als zentrale Expansionsregionen, da Edeka dort bislang unterdurchschnittliche Marktanteile erreicht.
Neben Immobilien und Logistik investiert Edeka Minden-Hannover weiterhin in die Dekarbonisierung seiner Fahrzeugflotte. Bereits im vergangenen Jahr waren 550 Lkw mit Biomethan-Antrieb im Einsatz. Weitere 100 Fahrzeuge sollen umgerüstet werden. An inzwischen sechs Logistikstandorten betreibt das Unternehmen eigene LNG-Tankstellen. Insgesamt fließen seit Beginn des Programms im Jahr 2021 rund 200 Mio. Euro in die Umstellung der Transportflotte.
Darüber hinaus misst die Regionalgesellschaft der Ausbildung von Fachpersonal weiterhin hohe Bedeutung bei. Insbesondere die Frischetheken gelten aus Unternehmenssicht als prägendes Element der Marke Edeka. Nach Angaben von Rosenkranz zählt Edeka Minden-Hannover inzwischen zu den größten Ausbildungsbetrieben im deutschen Fleischerhandwerk.
