An der Händlerbefragung nahmen 71 Unternehmen teil. Der zentrale Investitionsfokus liegt für die meisten Befragten – rund 72 Prozent – in der Expansion des Filialnetzes. Auffällig ist eine klare Diskrepanz in der Bewertung von Immobilieneigentum: Einzelhandelsketten des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) planen zu etwa 35 Prozent den Erwerb von Eigentum, während der Durchschnitt der Handelsunternehmen lediglich bei rund 13 Prozent liegt. Diese Divergenz verdeutlicht laut Thomas Kuhlmann, Vorstand der Hahn-Gruppe, den hohen Stellenwert, den Händler der langfristigen Standortsicherung beimessen. Die Hahn-Gruppe, spezialisiert auf großflächige Handelsimmobilien, präsentiert den Report in der 21. Auflage in Kooperation mit CBRE, Bulwiengesa und dem EHI Retail Institute.
Eine fundierte Mietpreisbetrachtung stammt von CBRE, das auf Basis von 700 gemieteten Verträgen eine Analyse des Preisniveaus im LEH vorgenommen hat. Die durchschnittliche Nettomietrate eines LEH-Standorts liegt demnach bei 12,23 Euro pro Quadratmeter. In Großstädten (A-Städte) liegt der Durchschnitt bei 16,82 Euro pro Quadratmeter, in B- und C-Städten bei 13,83 Euro pro Quadratmeter, in D-Städten bei 12,54 Euro pro Quadratmeter, und an übrigen Standorten bei 11,28 Euro pro Quadratmeter. Hinsichtlich der Unterschiede erklären sich 20 Prozent durch Lage, 10 Prozent durch Baujahr und lediglich 2 Prozent durch die Betriebsform (ob Supermarkt oder Discounter). Jan Linsin, Head of Research bei CBRE, betont, dass nicht das Betreiber-Logo über den Immobilienwert entscheide, sondern die Qualität von Standort, Gebäudetyp und Umsatzpotenzial.
Bulwiengesa geht davon aus, dass der deutsche Einzelhandel auch 2026 ein Umsatzwachstum verzeichnen wird, wenngleich dieses möglicherweise nominal ausfallen könnte. Unter Berücksichtigung der Marktdynamik wird ein Nettoumsatz von etwa 697,4 Milliarden Euro prognostiziert, was im Vergleich zu 2025 rund ein nominales Plus von circa zwei Prozent bedeuten würde. Langfristig bleibe der Wachstumspfad des Einzelhandels intakt. Zudem werde der Onlinehandel als strukturelles Wachstumsfeld weiter an Bedeutung gewinnen; Bulwiengesa schätzt, dass der Onlineanteil am Einzelhandel 2026 auf rund 13,8 Prozent steigen dürfte.
Eine klare Fortsetzung des Erfolgszyklus erleben nach wie vor die Drogeriemärkte. Im Jahr 2025 trugen Drogeriemärkte rund 10,6 Prozent zum Umsatz des LEH bei und haben SB-Warenhäusern, die 8,3 Prozent ausmachten, klar den Rang abgelaufen. Vorreitende Marken wie dm und Rossmann zeigen dabei die Dynamik dieses Formates: dm konnte seinen Umsatz im Jahr 2025 um 6,4 Prozent steigern, Rossmann um 6,1 Prozent. Die Produktivität der Fläche bei dm lag im Berichtsjahr bei rund 9.106 Euro pro Quadratmeter, ein Wert, der sich im europäischen LEH-Ranking hinter Lidl (10.880 Euro/qm) und Aldi Süd (9.780 Euro/qm) einordnet. Frechen betont, dass das Drogeriemarktformat trotz bereits hoher Marktdurchdringung noch beträchtliche Expansions- und Produktivitätspotenziale besitzt.
Im Gegensatz dazu verharrten Bau- und Gartenfachmärkte auf einem erfolglosen Kurs. Der Umsatz der Sektor-Gruppe betrug 2025 insgesamt 20,58 Milliarden Euro – das dritte Folgejahr mit einem Umsatzminus. Unter den führenden Systemanbietern konnten Hornbach mit einem Umsatzanstieg von 1,9 Prozent, Obi mit 0,6 Prozent und Bauhaus mit 0,2 Prozent zulegen. Frechen verweist darauf, dass sich 2025 eine deutliche Spreizung zwischen den stärkeren Systemanbietern und Teilen der übrigen Marktteilnehmer abgezeichnet habe, was die notwendige Anpassung der Expansionsstrategien und Effizienzsteigerungen noch deutlicher sichtbar mache.
Zusammengefasst zeichnet der 21. Hahn Retail Real Estate Report ein Bild, das vom erneuten Vertrauen der Investoren in Handelsimmobilien und von der anhaltenden Dominanz der Drogeriemärkte geprägt ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass Expanded-Building-Strategien, Standortqualität und langfristige Nutzungs- wie Umsatzpotenziale zentrale Kriterien für Investitionsentscheidungen bleiben. Gleichzeitig verdeutlichen sie die nach wie vor bestehende Belastung durch Zinsschwankungen, die das Investitionsklima maßgeblich beeinflussen. Für Immobilienakteure bedeutet dies: Professionelles Standortmanagement, klare Werttreiber bei Miet- und Eigentumsmodellen sowie eine fokussierte Expansionspolitik bleiben die Schlüssel zur nachhaltigen Performance im sich wandelnden Einzelhandel.
