Discounter überholen Supermärkte

23. April 2023 - Das Jahr 2022 markierte eine Enttäuschung für die Supermarktbranche. Nach den Rekordjahren aufgrund der Pandemie sahen sich die Vollsortimenter von der Konkurrenz der Discounter überflügelt. Diese Veränderung stellt eine Zeitenwende für Markenhersteller dar, und vorerst ist keine Besserung in Sicht.

Quelle: Rewe Group/rewe-group.com

Edeka, Rewe und ähnliche Supermärkte würden das vergangene Jahr am liebsten aus den Büchern streichen. Die gestiegenen Lebenshaltungs- und Nahrungsmittelkosten führten dazu, dass Verbraucher vermehrt zu Sonderangeboten und günstigen Eigenmarken griffen. Davon profitierten besonders die Discounter. Laut dem jüngsten "Consumer-Index" der GfK verzeichneten Discounter im vergangenen Jahr einen Umsatzanstieg von 7,6 Prozent, während Supermärkte mit einem Plus von lediglich 0,2 Prozent nur knapp über der Nulllinie lagen. Dies geschah vor dem Hintergrund eines Gesamtmarktwachstums von 1,6 Prozent, was angesichts zweistelliger Teuerungsraten seit dem vergangenen Sommer keine nennenswerte Leistung darstellt.

Nicht einmal im traditionell starken Weihnachtsmonat Dezember konnten die Supermärkte ihre Position behaupten. Mit einem Umsatzanstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ließen die Discounter die Supermärkte, die lediglich ein Plus von 1 Prozent verzeichneten, weit hinter sich.

Der Rückgang der Teuerungsraten im Dezember führte zu einem Minus von 11 Prozent im Fachhandel, was den Supermärkten den schlechtesten Wert unter allen Vertriebslinien des Lebensmitteleinzelhandels bescherte. Die Supermärkte lagen sogar hinter den SB-Warenhäusern, die einen Umsatzzuwachs von 3 Prozent verzeichneten.

Laut Robert Kecskes, Director Shopper Insights bei der GfK, haben viele Verbraucher im Vorweihnachtsgeschäft auf Premiumhandelsmarken umgeschwenkt. Die Qualität der Handelsmarken der Discounter scheint für viele Verbraucher ausreichend zu sein, wenn sie durch Sparwillen oder -zwang bedingt sind, auf günstigere Optionen umzusteigen.

Die Marktanteile im Lebensmitteleinzelhandel haben sich durch den Boom der Discounter verändert, wobei Discounter aktuell einen Anteil von 36,9 Prozent am Markt halten, ein Anstieg um 2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Die Supermärkte sind sich der Herausforderungen bewusst und versuchen, gegenzusteuern. Obwohl sie weniger Umsatz verzeichnen, konnten sie ihre Käuferreichweite sogar stärker ausbauen als die Discounter. Die Kunden geben jedoch deutlich weniger Geld bei Supermärkten aus, während die Einkaufsfrequenz in den Discountern zunimmt.

Eine Möglichkeit für Supermärkte, die Herausforderungen zu bewältigen, besteht darin, preisgünstige Handelsmarken als Alternative zu Markenprodukten anzubieten. Die Eigenmarken des Handels sind seit Monaten stark gefragt, während Markenprodukte Einbußen verzeichnen.

Diese Verschiebung bei der Markenarchitektur im Regal könnte laut Kecskes dazu führen, dass Handelsmarken den Status von Marken erreichen. Die Industrie sollte diese Entwicklung aufmerksam verfolgen, insbesondere da Mittemarken unter Druck geraten.

Trotz der aktuellen Situation und der steigenden Lebensmittelpreise gibt es wenig Hoffnung auf baldige Preissenkungen. Die Teuerungsraten bei Nahrungsmitteln werden weiterhin hoch sein, und Verbraucher müssen sich auf steigende Kosten einstellen.