Discounter treiben Preisdynamik im Lebensmittelhandel weiter an

21. November 2025 - Der Preisdruck im deutschen Lebensmitteleinzelhandel nimmt spürbar zu. Vor allem die beiden größten Discounter, Aldi und Lidl, verschärfen aktuell ihren Wettstreit um Niedrigpreise – mit erheblichen Auswirkungen auf Margen, Lieferbeziehungen und die gesamte Wertschöpfungskette.

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In der vergangenen Woche lieferten sich die beiden Wettbewerber erneut ein intensives Preisduell. Nachdem Aldi am Donnerstag die Preise für eine Reihe von Molkereiprodukten reduziert hatte, folgte am Wochenende eine umfangreiche Reaktion von Lidl. Der Händler setzte dabei bewusst auf maximale Sichtbarkeit: Mit einer großformatigen Doppelseite in der „Bild“-Zeitung und breit ausgespielter Online-Werbung positionierte sich Lidl als Initiator der jüngsten Preissenkungsrunde. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, alle bereits von Aldi vorgenommenen Reduzierungen ebenfalls umzusetzen.

Aldi wiederum reagierte nur einen Tag später und kündigte seinerseits weitere Preisnachlässe an. Bereits am frühen Montag waren die neuen Preise im Markt sichtbar. Lediglich bei Butter und Milch brauchte Aldi Süd in Teilen des Vertriebsgebiets noch einen Tag länger, bevor auch hier die Anpassungen erfolgten. Innerhalb weniger Tage wurden somit rund 50 Eigenmarkenartikel im Discountsegment günstiger – ein Ausmaß, das besonders vor dem umsatzstarken Weihnachtsgeschäft für Unruhe sorgt.

Genau dieses Szenario hatte die Branche im Vorfeld befürchtet: Die Preisoffensiven der beiden Discountführer setzen die gesamte Konkurrenz massiv unter Zugzwang. Die Discounter profitieren derzeit von einer überdurchschnittlich stabilen Entwicklung und nutzen ihre wirtschaftliche Lage, um ihren Marktanteil weiter auszubauen. Im klassischen Lebensmitteleinzelhandel führen die jüngsten Maßnahmen zu intensiven Verhandlungen mit Herstellern, in denen Händler versuchen, kurzfristige Preissenkungen durchzusetzen. Branchenkreisen zufolge wurden zuletzt vermehrt bereits abgeschlossene Lieferverträge von den großen Discountern wieder geöffnet, um zusätzliche Preisvorteile zu erzielen.

Ein Branchenexperte geht davon aus, dass der verschärfte Wettbewerb nicht ohne Verluste für den Handel bleibt. Viele Preissenkungen ließen sich kaum spannenneutral abbilden und erhöhten den Druck entlang der gesamten Lieferkette. Besonders problematisch sei, dass Aldi und Lidl offenbar bereit sind, kurzfristige Ertragseinbußen bewusst in Kauf zu nehmen. Bei Produkten wie Butter habe es innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Reduzierungen gegeben – verbunden mit deutlichen Margenabschlägen.

Für Verbraucher ergibt sich daraus zumindest vorübergehend eine Entlastung. Nach mehreren Jahren spürbarer Preissteigerungen sinken die Kosten für einige Kernartikel wieder. Im Oktober reduzierten Aldi und Lidl im Wechsel die Preise für Butter, Kaffee, Nudeln und Käse. Bei Fleisch und Schokolade hingegen verharrt das Preisniveau weiterhin auf hohem Stand. Insgesamt ist die Inflationsrate für Lebensmittel im Oktober laut Destatis erstmals seit längerem zurückgegangen und lag bei 1,3 Prozent – dem niedrigsten Wert seit Januar.

Parallel zu den Preissenkungen startete Lidl eine zusätzliche Initiative zur Stützung des Kartoffelmarktes. Aufgrund eines deutlichen Überangebots und des damit verbundenen Preisverfalls kündigte das Unternehmen an, Kartoffeln mit verstärkten Verkaufsaktivitäten und unter Verzicht auf eigene Marge zu fördern. Auch bei pflanzlichen Alternativprodukten wie Haferdrinks setzt Lidl sein Versprechen um, diese nicht teurer anzubieten als traditionelle tierische Produkte – ein Anspruch, der angesichts gefallener Molkereipreise inzwischen schwerer einzuhalten ist.

Der aktuelle Preiswettbewerb zeigt damit einmal mehr, wie eng die Kalkulationsspielräume im deutschen Lebensmittelhandel geworden sind – und wie stark die Discountgiganten die Dynamik im Markt bestimmen.