Discounter expandieren wieder hierzulande

29. Juli 2022 – Auf dem Höhepunkt der politischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben vor allem die Supermärkte enorm profitieren können. Der Wunsch der Kunden zu Hause besonders hochwertig zu kochen sowie der Trend des One-Stop-Shoppings bescherten Traumumsätze. Der Wind dreht sich jedoch wieder. Die aktuellen ökonomischen Turbulenzen, allen voran der immer höhere Preisdruck, ausgelöst durch Inflation, treiben immer mehr Marktanteile zurück zu den Discountern. Expansion spielt wieder eine größere Rolle und die Gesamtzahl an Discountern überschreitet zum ersten Mal seit 2017 erneut die Marke von 16.000 Standorten.

Quelle: K. Mitch Hodge/unsplash.com

Der Rückgewinn von Marktanteilen wird durch die Discounter auch über die Expansion fokussiert. Bereits 2021 wurden mehr Filialen geöffnet als geschlossen. Es werden so viele Discounter betrieben, wie das letzte Mal 2017. Nach Jahren der Optimierung der Filialnetze wechseln die Betreiber von Billig-Märkten wieder auf die Überholspur. Insbesondere die großen Namen streben eine Erweiterung ihrer Vertriebsnetze an.

Aldi Süd könnte hierzulande beispielsweise bald über 2.000 Standorte betreiben. Im Vergleich zu 2019 wurden um die 70 zusätzliche Märkte eröffnet. In derselben Zeit kamen beim Hauptkonkurrenten Lidl ebenfalls 35 Standorte hinzu. Mit mehr Filialen steigt auch der Umsatz. Der Discounter der Schwarz-Gruppe konnte seinen Umsatz pro Filiale optimieren. Mittlerweile reicht für einen infrage kommenden Standort ein Umsatzpotential von weniger als 5 Mio. Euro nicht mehr aus, um auch nur in Erwägung gezogen zu werden.

Aldi Nord und Netto operieren eher über den Austausch von Filialen. Geschlossene Märkte werden häufig durch Neustandorte in attraktiverer Lage ersetzt. Dabei wird fleißig rotiert. Allein 150 solcher Projekte planen die Essener für das laufende Jahr umzusetzen.

Zwar konnte Aldi Süd prinzipiell ebenfalls den Umsatz optimieren, mit einer steigenden Anzahl an Neueröffnungen sinkt der Durchschnittsumsatz pro Markt jedoch wieder leicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Mühlheimer die Nähe zum Kunden suchen und damit vermehrt Flächen bespielen, die aus kaufmännischer Sicht nicht optimal sind. Beispielsweise wurde im Juli in Nürnberg ein Standort mit lediglich 790 m² Verkaufsfläche eröffnet. Auch wenn es sich dabei keinesfalls um eine ideale Größe handelt, erhofft man sich Vorteile aufgrund der hervorragenden Zentrumslage. Insbesondere in Metropolen müssen mittlerweile regelmäßig Kompromisse eingegangen werden, um begehrte Lagen bespielen zu können.

Die Händler, die den stärksten Umsatz generieren, können in der Regel auch die höchsten Mieten zahlen. Aldi und Lidl zahlen beispielsweise zwischen 12 und 14 Euro pro m². Wenn es sich um Top-Lagen handelt, sogar 18 bis 22 Euro. Die schwächeren Formate wie von Penny oder Netto sind da nicht in der Lage eine ernsthafte Konkurrenz darzustellen. Entsprechend fokussieren sie sich auf die Nischen, die durch die großen Betreiber vernachlässigt werden.

 Während Aldi und Lidl vorwiegend ihr Netz weiter ausbauen wollen, fahren die kleineren Konkurrenten teilweise andere Strategien. Am ambitioniertesten geht dabei wahrscheinlich Netto vor, die eine gleichzeitige Modernisierung und Erweiterung ihres Filialnetzes anstreben. Penny hingegen versucht weiterhin seine bestehenden Standorte zu verbessern. Genauso geht Norma vor, die aktuell ca. 100 Märkte pro Jahr überarbeiten.

Der Bärenanteil der künftigen Expansion wird bei den beiden stärksten deutschen Discountern jedoch aus dem Ausland kommen. Lidl konzentriert sich beispielsweise weiterhin auf seine Expansion in den USA. Bisher werden hier lediglich 175 Standorte betrieben. Ein Beginn ist damit jedoch aller Mal gemacht. Weiter ist da schon die Mühlheimer Konkurrenz. Aldi Süd betreibt mittlerweile über 2.100 Standorte in den Vereinigten Staaten. Neben dem riesigen Markt in Nordamerika betreibt Aldi mittlerweile 26 Standorte in China und sieht dort ebenfalls enormes Potenzial für eine weitere Expansion.