Die letzten 48 Real-Märkte öffneten am 23. März zum letzten Mal ihre Türen. „Damit verabschiedet sich der ehemals größte SB-Warenhausbetreiber endgültig vom deutschen Markt", kommentierte Bojan Luncer, der letzte CEO von Real, in einem Beitrag auf LinkedIn. Er bedauerte, nicht zu einer Zeit zu Real gestoßen zu sein, als das Unternehmen noch eine echte Chance auf einen Turnaround gehabt hätte.
Luncer erläuterte weiter, dass seine Aufgabe von Anfang an die Restrukturierung und Abwicklung des Unternehmens war, mit dem Ziel, möglichst viele Real-Filialen und deren Mitarbeiter zu neuen Betreibern zu überführen und so wenige Märkte wie möglich zu schließen. Die Märkte sollten dabei an Kaufland, Edeka, Rewe und andere übergeben werden, während gleichzeitig die aktiven Filialen weiterhin gute Umsätze und positive Deckungsbeiträge erwirtschaften mussten. Dies war ein einzigartiges Vorhaben in der Geschichte des europäischen Einzelhandels, so Luncer. Insgesamt wurde das Ziel erreicht: Für etwa zwei Drittel der 276 Real-Filialen wurde ein neuer Betreiber gefunden. Der größte Abnehmer war Kaufland mit 100 Märkten, gefolgt von Edeka mit etwa 60, Rewe mit 24 und Globus mit 16 Filialen.
Kaufland hat kürzlich seine hundertste Real-Filiale in Hallstadt (Bayern) in das eigene Vertriebsnetz integriert und hat wohl noch weitere zehn bis 15 Standorte in Planung. Kaufland bleibt weiterhin auf Expansionskurs und ist bereit, umfangreiche Umbaumaßnahmen durchzuführen, um die Zukunft weiterer etablierter Standorte mit Real-Vergangenheit zu sichern, erklärte das Unternehmen.
Zuletzt einigte sich Kaufland mit Meag auf die Übernahme der Real-Filiale im Ostseepark Schwentinental bei Kiel. Diese Filiale war ursprünglich für Rewe vorgesehen, das im Oktober 2023 zusammen mit 14 weiteren Real-Standorten eine Freigabe vom Bundeskartellamt erhalten hatte. Auch die Real-Filialen in Mülheim-Kärlich und Ingelheim, die ebenfalls auf dieser Liste standen, wird Rewe nicht übernehmen. Den Real-Standort in Ingelheim hat Kaufland kürzlich erworben. Zudem hat Edeka die Übernahme des ehemaligen Real-Marktes in Wolfenbüttel abgeschlossen. Diese Filiale, die seit 2022 leer stand, soll nach einem Umbau im Laufe dieses Sommers als Marktkauf neu eröffnet werden.
Das Ende von Real markiert einen signifikanten Einschnitt für das Konzept der SB-Warenhäuser in Deutschland. Diese Märkte entstanden in den 1960er Jahren an den Stadträndern und boten in großen, oft mehrstöckigen Gebäuden mit vielen Parkplätzen eine breite Palette von Produkten an, von Hackfleisch bis zum Fernseher. Der alte Real-Slogan „Einmal hin, alles drin" fasst dieses Konzept treffend zusammen.
Heute haben sich SB-Warenhäuser stark verändert. Die Märkte von Kaufland und Marktkauf, die unter dem Label SB-Warenhaus laufen, ähneln heute großen Supermärkten mit einem ausgeprägten Non-Food-Sortiment und erheben nicht mehr den Anspruch, das komplette Leben ihrer Kunden abzudecken. Lediglich Globus hält noch an dem traditionellen Konzept fest, hat jedoch durch die eigene Produktion mit Bäckerei und Metzgerei einen anderen Fokus.
