Die Preise für Lebensmittel steigen kontinuierlich in Deutschland. So kosten beispielsweise Eigenmarken-Fischstäbchen nun erstmals mehr als 3 Euro, fast so viel wie der entsprechende Markenartikel vor einem Jahr. Das Image Deutschlands als Land der niedrigen Preise gehört somit der Vergangenheit an. Große Markenhersteller drängen auf eine Preisanpassung, da sich die Geschäftsbedingungen und Ziele grundlegend geändert haben. Früher interessierten sich internationale Markenhersteller stark für den deutschen Markt aufgrund der hohen Absatzmengen. In Zeiten knapper Rohstoffe sind jedoch weniger Kompromisse bei der Rentabilität möglich. Zudem wird Deutschland oft als Referenzmarkt angesehen, wodurch Hersteller bestrebt sind, die Preise auch in anderen Ländern anzuheben.
Der Eurostat-Index bestätigt diese Entwicklung, indem er Ende 2022 eine deutliche Preissteigerung von 139,8 Prozent im Vergleich zum Indexstand von 100 im Jahr 2015 zeigt. Vergleichbare Produkte sind in Deutschland zunehmend teurer als in den Nachbarländern. Ein Sechserpack Volvic kostet in Frankreich etwa 3 Euro, während nach der jüngsten Preiserhöhung in Deutschland 6,90 Euro fällig werden.
Die gestiegenen Preise für Markenartikel legen nahe, dass die Produzenten zumindest teilweise ihre Forderungen durchgesetzt haben, auch wenn Händler dies oft für übertrieben halten. Insbesondere bei Eigenmarken zeigen die verstärkten Aktivitäten von Discountern wie Lidl und Aldi Nord im Aufbau eigener Produktion, dass die Lieferantenbasis in einigen Bereichen dünn geworden ist. Mittelständler in Deutschland benötigen Preiserhöhungen, um wirtschaftlich zu überleben.
Die Händler tragen ebenfalls zur Preissteigerung bei, indem sie sich auf sinkende Mengen einstellen und versuchen, zusätzliche Kosten für Energie und Personal durch einen besseren Stücknutzen auszugleichen. Höhere Regalpreise ermöglichen zudem Angebote mit hohen Rabatten, wodurch der Anteil von Promotionen am Umsatz für Marken im Jahr 2022 auf 26,7 Prozent gestiegen ist.
