Die Banken haben in der letzten Boomphase umfangreiche Kreditbücher aufgebaut, die auch in der aktuellen Krise am Immobilieninvestmentmarkt gut gefüllt bleiben. Aufgrund der geringen Anzahl an Transaktionen werden nur wenige Finanzierungen vorzeitig abgelöst. Gleichzeitig werden die vorhandenen Kreditlinien bei Entwicklungsprojekten in der Regel vollständig ausgeschöpft, da Forward-Deals kaum mehr stattfinden und Liquidität in Krisenzeiten besonders wertvoll ist. Dies ermöglicht es den Banken, Zinsen auf die gesamte Kreditsumme zu kassieren, was sich als lukratives Geschäft erweist.
Eine Verlängerung bestehender Kredite ist für Banken oft attraktiver als die Vergabe neuer Immobiliendarlehen. Dies führt zu einer erhöhten Anzahl von Finanzierungsablehnungen, da sich die Banken vermehrt auf zertifizierte und ESG-konforme Neubauten mit bonitätsstarken Mietern und langfristigen Mietverträgen konzentrieren. Die Bereitschaft der Banken, Kundenprojekte zu unterstützen und Risiken einzugehen, indem sie beispielsweise Sanierungen oder kurzfristige Mietverträge finanzieren, ist stark zurückgegangen.
In den kommenden Monaten ist ein verstärkter Trend zur selektiven Kreditvergabe zu erwarten, wobei bestimmte Risikoprofile nicht mehr bedient werden. Dies wird zu einem Wettbewerb um Liquidität führen, von dem nicht nur Projektentwickler, sondern zunehmend auch Bestandshalter betroffen sein werden. Daher ist es für potenzielle Kreditnehmer entscheidend, ihre Finanzierungsanträge sorgfältig vorzubereiten und an die spezifischen Vergabestandards der Banken anzupassen, um mögliche Ablehnungen zu vermeiden.
