Im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2024/25, das Ende September endete, erzielte Alnatura einen Netto-Gesamtumsatz von 1,27 Mrd. Euro. Der Zuwachs von 6,6 Prozent übertrifft das Wachstum des gesamten FMCG-Marktes damit klar – dieser legte im Zeitraum Januar bis Oktober lediglich um 3,1 Prozent zu. Der Biohändler bewegt sich somit fast wieder auf dem Niveau der Wachstumsjahre 2020/21, nachdem die Umsätze infolge steigender Kosten und Inflation zwischenzeitlich um 2,5 Prozent zurückgegangen waren.
Bereits im Vorjahr hatte Alnatura ein Umsatzplus von 4 Prozent erzielt, das überwiegend durch notwendige Preisanpassungen erreicht wurde. Laut Geschäftsbericht gelang es dem Unternehmen, das im Einzelhandel etwas verhaltene Wachstum durch die Belieferung von Handelspartnern abzufedern. Während insbesondere der Umsatz mit Edeka rückläufig war, setzte die Einzelhandelssparte 621,5 Mio. Euro um, der Großhandelsumsatz belief sich auf 562,6 Mio. Euro.
Parallel dazu hatte sich Alnatura organisatorisch neu ausgerichtet: Das Unternehmen konzentriert sich seit vergangenem Jahr konsequent auf das eigene Filialgeschäft sowie die Distribution seiner Markenprodukte an ausgewählte Partner. Zu diesen zählen unter anderem Edeka, Migros, die französische Coopérative U sowie die Drogerieketten Rossmann und Müller. Die Zusammenarbeit mit dem Biofachhandel wurde hingegen eingestellt, ebenso wie der eigene Lieferdienst. Zudem läuft der bestehende Lizenzvertrag mit Migros Zürich zum Jahresende aus – damit schließen 25 Standorte in der Schweiz, die seit 2012 unter der Marke Alnatura betrieben wurden.
Vor dem Hintergrund dieser Neuausrichtung kündigte Alnatura an, im laufenden Geschäftsjahr wieder stärker in die Flächenexpansion einzusteigen. Nachdem im Vorjahr vor allem die Modernisierung des Filialbestands im Fokus stand, plant das Unternehmen nun die Wiederaufnahme eines aktiven Wachstumskurses. Im Januar eröffnet der Standort im Tübinger Depot-Areal nach einem Umzug und einer Erweiterung auf 1.200 Quadratmeter neu – es wird der flächenmäßig größte Alnatura-Markt in Deutschland. Weitere Neueröffnungen sollen folgen. Um diese Strategie voranzutreiben, wurde bereits Anfang November das Expansionsteam verstärkt, mit besonderem Augenmerk auf urbane Regionen.
Gegenüber der Lebensmittel Zeitung bestätigte Alnatura zudem Investitionen in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags. Diese sollen in die Weiterentwicklung der Filialen, der Logistik und der IT-Strukturen fließen. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die umfangreichste Investition in diesen Bereichen seit der Gründung vor über vier Jahrzehnten. Zum Vergleich: Branchenmitbewerber Dennree hatte für ähnliche Maßnahmen über 40 Mio. Euro aufgewendet.
Ein zentraler Baustein der Investitionsoffensive ist der Ausbau der Logistik: Im Sommer 2026 nimmt Alnatura ein weiteres Distributionszentrum im hessischen Groß-Rohrheim in Betrieb, das künftig die eigenen Filialen versorgen soll. Das bestehende Logistikzentrum in Lorsch bleibt für die Belieferung nationaler und internationaler Handelspartner zuständig. Die Frischelogistik wurde bereits im vergangenen Jahr auf Metro Logistics übertragen. Gleichzeitig modernisiert Alnatura seine IT-Infrastruktur umfassend: Bis Ostern soll das Warenwirtschaftssystem von SAP ECC auf SAP S/4Hana umgestellt sein, die vollständige Digitalisierung der internen Systeme ist bis Ende 2027 geplant.
Flankiert wird dieser Transformationsprozess durch eine Neuordnung der Führungsstruktur. Seit August verantwortet Kirsten Keller das neu geschaffene Ressort Logistik und IT auf Geschäftsführungsebene – ein weiterer Schritt, um die strategischen Weichen für die kommenden Jahre zu stellen.