Alle Augen richten sich auf Picnic

24. Febraur 2022 - Vor allem durch das viele Verweilen zu Hause konnten Quick-Service-Anbieter wie Gorillas oder Flink während der Corona-Pandemie florieren und mit Tempo expandieren. Langsam entspannt sich jedoch die Wachstumsgeschwindigkeit.

Quelle: Wikimedia Commons

Das liegt nicht zuletzt daran, dass es bei einigen Anbietern auch intern knirscht. Gorillas hat beispielsweise Probleme mit Entlassungen und Arbeitskämpfen. Gleichzeitig stürzt die Aktie von Delivery Heroes nach unten, nachdem das Unternehmen sich von seinem Vorhaben, in Berlin einen Lebensmittel-Lieferdienst aufzubauen, erfolglos zurückzog.

Aktuell liefert Gorillas in 25 Städten. Zuletzt kamen im September des letzten Jahres Bochum, Darmstadt, Mannheim und Münster dazu. Bei Flink sind es insgesamt 43 Städte. Hier waren die letzten Neuzugänge Remscheid, Passau, Potsdam, Kassel, Kaiserslautern, Freiburg und Chemnitz. Derweil liefert Getir in sechs Großstädten Supermarktartikel aus. Aktuell wird nicht mit weiteren ernstzunehmenden Neueinstiegen in den Markt gerechnet.

Am meisten zieht im Moment der niederländische Lieferdienst Picnic die Aufmerksamkeit auf sich, der mit Edeka kooperiert. Zusammen soll es gelingen, den Marktführer Rewe Digital herauszufordern. Aktuell ist Picnic ausschließlich in Nordrhein-Westfalen aktiv. Bald soll aber auch Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ins Vertriebsnetz aufgenommen werden. Darauf wird dann eine sukzessive Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet angestrebt. Die Lebensmittelzeitung berichtet, dass Picnic neben dem Zentrallager von Edeka Rhein-Ruhr in Oberhausen eine Lieferimmobilie mit ca. 40.000 m² Fläche plant. Der Lieferdienst hat große Ambitionen. Langfristig ist mit rund 100 Verteilzentren und 20 Zentrallagern zu rechnen.

Beim Distanzhandel waren 2021 Lebensmittel das am stärksten zulegende Segment. Insgesamt stieg der Umsatz um ca. 47 Prozent auf 3,9 Mrd. Euro (2020: 2,7 Mrd. Euro). Außerdem wird auch die Belieferung mit Medikamenten (plus 34,6 Prozent) und Drogerieartikel (plus 32,8 Prozent) beim Kunden immer beliebter. Die Zahlen sollten, vor allem im Zusammenhang mit Lebensmittel, jedoch eher als eine Untergrenze betrachtet werden. Sie stammen vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH), die beispielsweise Schnell-Lieferdienste wie Flink oder Gorillas gar nicht als Lebensmittel, sondern als Dienstleistung, registrieren. Im gesamten E-Commerce wurden 2021 ca. 99,1 Mrd. Euro brutto (83,3 Mrd. Euro netto) umgesetzt.