Für den Discounter werden Flächen in Innenstädten immer interessanter. Das gilt sogar bis hin zum Standort an Haupteinkaufsstraßen von Großstädten. Torsten Janke, Geschäftsführer Immobilien & Expansion Aldi Nord Deutschland kommentiert: „Wir versuchen, uns in Fußgängerzonen anzusiedeln, aber auch in Stadtteilen mit einer massiven Wohnbevölkerung.“ Aldi Nord ist entsprechend auch bereit Märkte ohne Parkplätze umzusetzen, zumindest so lange in einem Radius von 500 m bis 1.000 m zwischen 5.000 und 10.000 Menschen wohnen.
Die Kompromissbereitschaft erstreckt sich sogar auf die Größe der Verkaufsfläche. Bei innerstädtischer Lage kann bereits bei 600 m² bis 800 m² das Standardsortiment abgebildet werden. Fällt eine Filiale außerordentlich klein aus, wird das Non-Food-Sortiment gekürzt. Die absolute Untergrenze liegt wohl bei 600 m². Aktuell prüft Aldi Nord auch zentrale Standorte in kleineren und mittelgroßen Städten: „Wir sehen uns allerdings eher in der Innenstadt von Berlin als im Zentrum einer Kleinstadt“, äußert sich Janke. Bei den zentralen Lagen kommt häufig eine reine Nutzung als Lebensmitteleinzelhandel nicht in Frage. Hier ist etwas Flexibilität gefragt. Häufig kommt es zu einer Mischung aus Markt sowie Wohnungen, in Essen-Schonnebeck kam sogar die Kombination mit einem Jugendzentrum zustande. Das bisherige Vorzeigeprojekt liegt an der Dietzgenstraße in Berlin. Hier wurde ein Aldi-Neubau mit 100 Apartments realisiert. Der Entwurf kam von dem Berliner Architekturbüro Faber + Faber.
Für Aldi Nord scheint der Wohnungsbau lediglich Mittel zum Zweck zu sein. Weiterhin wird Aldi Lebensmittelhändler bleiben. Das ist das Kerngeschäft. Die Umsetzung von Wohnungen verfolgt lediglich das Ziel, Märkte zu schaffen, die sonst nicht hätten umgesetzt werden können.
Ganz ähnlich verhält es sich auch bei Aldi Süd. Die Strategie sieht ebenfalls eine stärke Fokussierung auf innerstädtische Lagen vor. Christof Hake, Managing Director Property bei Aldi Süd äußert sich entsprechend: „Die Innenstadt-Standorte sind für uns perspektivisch von besonderer Bedeutung. Wir kommen ja aus der Innenstadt. Wir rechnen damit, dass die Innenstadt-Märkte, die wir entwickeln, auch in 20 Jahren noch am Netz sind“. Mittlerweile wurde in Raststatt die Immobilienverwaltungsgesellschaf (IMV) des Discounters gegründet. Hier werden alle Bauprojekte abgewickelt, deren Volumen 10 Mio. Euro übersteigt. Zusätzlich dazu wurden Immobilienbüros in Köln, Stuttgart, München und Frankfurt gegründet.
Bei Aldi Süd stehen in Zukunft auch eigene Projektentwicklungen an: „Das heißt für uns alles vom Grundstückskauf bis zur Entscheidung, ob wir die Immobilie im Eigentum oder Teileigentum halten“, äußert sich Hake gegenüber der Immobilienzeitung. Beispiele dafür wären Landau, wo ein Lebensmittelmarkt mit einem Studentenwohnheim entstand, oder Pforzheim, wo ein Lebensmittelmarkt mit betreutem Wohnen kombiniert wurde. Für Aldi Süd liegt die absolute Untergrenze bei der Verkaufsfläche für innerstädtische Lagen bei 500 m².
