Aldi Süd erprobt nachhaltigen Marktneubau in Holzbauweise

09. Januar 2026 - Aldi Süd testet einen neuen Ansatz für den Bau zukünftiger Filialen und setzt dabei konsequent auf Holz als zentralen Baustoff. In Alzey hat der Discounter einen Markt eröffnet, der oberhalb der Bodenplatte vollständig aus massivem Holz errichtet wurde. Mit diesem Pilotprojekt will das Unternehmen prüfen, wie sich Neubauten nachhaltiger, effizienter und schneller realisieren lassen.

Quelle: Marques Thomas/unsplash.com

Der neue Standort verfügt über eine Verkaufsfläche von rund 1.100 Quadratmetern und ist mit vier Kassen ausgestattet. Damit entspricht er in Größe und Funktionalität einem klassischen Aldi-Markt. Lange Zeit galt die Holzbauweise im Einzelhandel als kostenintensiv und wurde von vielen Händlern kritisch betrachtet. Diese Einschätzung hat sich inzwischen relativiert. Nach Angaben von Aldi Süd liegen die reinen Baukosten des Holzmarktes aktuell auf einem Niveau mit dem einer konventionellen Standardfiliale. Allerdings weist das Unternehmen darauf hin, dass die Wirtschaftlichkeit stark von der Marktsituation abhängt, insbesondere von der Verfügbarkeit des Materials und der Entwicklung der Holzpreise.

Ein wesentlicher Vorteil des neuen Baukonzepts liegt in der deutlich verkürzten Bauzeit. Durch einen hohen Vorfertigungsgrad der Bauelemente – vergleichbar mit einem Fertighaus – konnte der gesamte Prozess inklusive Abriss des Vorgängergebäudes innerhalb von nur sechs Monaten abgeschlossen werden. Insgesamt verkürzt sich die Bauzeit damit um etwa zwei bis drei Monate. Für den Händler bedeutet dies, dass Standorte schneller wieder in Betrieb gehen und Umsatzausfälle reduziert werden können.

Der Neubau in Alzey basiert auf einer gemeinsam mit Aldi Nord abgestimmten Baubeschreibung. Der Grundriss ist identisch mit dem eines klassischen Aldi-Nord-Marktes. Während Aldi Nord bereits seit längerem Filialen in sogenannter Holzrahmenbauweise errichtet, geht Aldi Süd mit dem Projekt in Alzey einen Schritt weiter. Bei der Holzrahmenbauweise besteht die tragende Konstruktion aus Holz, die Zwischenräume werden gedämmt. In Alzey hingegen wurde oberhalb der Bodenplatte vollständig mit massivem Holz gearbeitet.

Kostenvorteile ergeben sich zudem aus einer optimierten Flächen- und Raumplanung. Nebenräume und Lagerflächen konnten effizienter gestaltet werden. Sozialräume und das Büro der Filialleitung sind beispielsweise in einem kompakten Block zusammengefasst, statt – wie früher üblich – auf mehrere Bereiche verteilt zu sein. Darüber hinaus ermöglichen verbesserte Prognosesysteme eine Reduzierung der Lagerflächen, was sich ebenfalls positiv auf die Baukosten auswirkt.

Die Holzbauweise gewinnt im Lebensmitteleinzelhandel insgesamt an Bedeutung. Was zunächst als vereinzelte Pilotprojekte begann, ist mittlerweile bei nahezu allen großen Handelsunternehmen angekommen. Auch Netto Marken-Discount hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Standorte in Holzbauweise realisiert. Darüber hinaus testet der Discounter neue Verfahren bei der Erweiterung bestehender Filialen. In Fulda kommen erstmals modulare Holzbausteine zum Einsatz, die ähnlich wie Bauklötze zusammengesetzt und mit Holzdübeln fixiert werden. Bei diesem Projekt arbeitet Netto mit dem Startup Triqbriq zusammen.

Die Entwicklungen zeigen, dass innovative Bauweisen zunehmend an Relevanz gewinnen. Für Handelsimmobilien eröffnen sich damit neue Perspektiven, um Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Baugeschwindigkeit besser miteinander zu verbinden.