Die Preise steigen in fast allen Warengruppen und fallen spürbar deutlich aus. Laut einer Recherche der Lebensmittelzeitung handelt es sich um mindestens 400 Artikel inkl. Varianten, für die in Zukunft tiefer in die Tasche gegriffen werden muss. Klammert man die Varianten aus, handelt es sich immer noch um 160 Artikel. Das entspricht ca. 10 Prozent des gesamten Discount-Sortiments.
Die Preissteigerungen fallen unterschiedlich aus. In manchen Fällen handelt es sich lediglich um ein paar Cent, in anderen Fällen werden gleich ein paar Euro mehr fällig. Als erster Rivale zieht Lidl nach und passt seine eigene Bepreisung entsprechend an. Mit den jüngsten Erhöhungen endet vorerst der Preiskampf der Discounter, der das letzte Jahrzehnt dominiert hatte.
Deutlich fällt die Teuerung bei Kaffee auf. Die Sorte Amaroy Unser Bester kostet nun 60 Cent mehr (4,59 Euro). Bio-Kaffees sind häufig bereits einen Euro teurer. Außerdem sind auch bei einigen Drogerieartikel, Backwaren, Waschmittel, salzigen Snacks und Tiefkühlprodukte die Preise unübersehbar nach oben gegangen.
Bisher hatten vor allem die Einkäufer das Heft in der Hand. Die Preissteigerungen zeigen, dass sich jedoch langsam eine Trendwende abzeichnet. Aktuell riskieren Einkäufer keine Ware zu erhalten, falls sie sich nicht flexibel beim Preis zeigen. Die stärkere Position in den Verhandlungen ist entsprechend wieder zu den Lieferanten geschwungen.
Zuletzt hatten Aldi Süd und Nord versucht gemeinsame Sache zu machen. Das Ziel war über gebündelte Einkäufe bessere Preise zu erzielen. Aufgrund von steigenden Rohstoffpreisen musste in Mühlheim und Essen jedoch gleichermaßen festgestellt werden, dass die Lieferanten ihre Lieferungen einstellen, wenn es für sie selbst zum Verlustgeschäft wird. Preise für Verpackungen, Energie und Transport sind zuletzt förmlich explodiert.
Zwar hatten die Discounter in der Vergangenheit oft lieber auf die eigene Marge verzichtet, als das hart aufgebaute Preisimage zu beschädigen, doch aktuell fallen die Erhöhungen so deutlich aus, dass eine Erhöhung der Preise und eine Weitergabe an den Endverbraucher aus kaufmännischer Perspektive notwendig wird. Entsprechend überraschen die letzten Preisanpassungen viele Marktbeobachter und -experten nicht. Mit einem solchen Schritt ist in diesen Kreisen bereits gerechnet worden.
Was das für den großen Konkurrenzkampf zwischen Aldi und Lidl bedeutet, bleibt gespannt abzuwarten. In den vergangenen Jahren hat Lidl viel an der Effizienz von internen Strukturen gearbeitet, um hier Kostenpunkte zu verringern. Das versetzt die Discount-Sparte aus Neckarsulm unter Umständen nun in die Lage, stärker in die Preise zu investieren als die langjährigen Hauptkonkurrenten aus Mühlheim und Essen. Zwar schreibt Aldi Süd über die letzten Jahre regelmäßig schwarze Zahlen, aber spätestens seit 2017 liegen die Erträge auf einem auffällig niedrigen Niveau. Bei Aldi Nord sind die Kostenprobleme noch deutlicher zu Tage getreten, denn das Unternehmen schrieb 2018 und 2019 sogar Verluste, konnte aber mittlerweile seit 2020 wieder in die Gewinnzone zurückkehren.
