Bis vor wenigen Jahren spielte Aldi im polnischen Lebensmitteleinzelhandel eine eher untergeordnete Rolle. Mittlerweile hat der Händler jedoch eine deutlich größere Präsenz aufgebaut: Das Filialnetz umfasst inzwischen mehr als 400 Standorte. Damit erreicht das Unternehmen eine Größenordnung, die es ermöglicht, zentrale Kosten besser auf das Filialnetz zu verteilen und so die Wirtschaftlichkeit langfristig zu verbessern.
Mit der Inbetriebnahme des neuen Logistikzentrums verfügt Aldi Polen künftig über zwei große Distributionsstandorte sowie zwei zusätzliche Hubs für das Trockensortiment und Tiefkühlprodukte. Diese Struktur soll vor allem die logistische Effizienz erhöhen. In der Vergangenheit waren die Transportwege teilweise vergleichsweise lang, was das operative Geschäft belastete. Nach Angaben des Unternehmens können die Distanzen zu den Filialen durch den neuen Standort um rund 30 bis 40 Prozent reduziert werden. Dadurch sollen Waren schneller, frischer und zugleich kostengünstiger in die Märkte gelangen.
Die verbesserte Infrastruktur ist eng mit den Expansionsplänen des Discounters verknüpft. Besonders in der wirtschaftsstarken Region Schlesien plant Aldi, seine Marktpräsenz deutlich auszubauen. Bereits 2025 hat das Unternehmen 44 neue Filialen eröffnet. Für das laufende Jahr wird ein weiteres Wachstum erwartet, konkrete Zielzahlen nennt der Händler jedoch nicht. Intern gilt weiterhin die Devise, beim Ausbau des Filialnetzes die Qualität der Standorte über die reine Anzahl neuer Märkte zu stellen. Parallel dazu werden immer mehr Filialen mit Selbstbedienungskassen ausgestattet.
Bei Neubauten setzt Aldi weiterhin auf ein standardisiertes Konzept mit Verkaufsflächen von rund 1.200 Quadratmetern. Diese Größe bietet ausreichend Platz für das Sortiment und entspricht dem etablierten Format des Discounters.
Auch in der Preisstrategie sehen Marktbeobachter Aldi in Polen durchaus gut positioniert. In einem Wettbewerbsumfeld, in dem Sonderaktionen und Promotionen eine besonders große Rolle spielen, verfolgt der Händler eine konsequent aggressive Preispolitik. Branchenkenner bescheinigen Aldi daher ein solides Preisimage und heben insbesondere die Attraktivität der Aktionsangebote hervor. Gleichzeitig gilt die Vermarktung der Angebote als Bereich mit weiterem Entwicklungspotenzial.
Trotz der zunehmenden Marktpräsenz arbeitet das Unternehmen in Polen bislang noch nicht profitabel. Der Jahresumsatz wird derzeit auf etwa 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Gleichzeitig liegt der durchschnittliche Umsatz pro Filiale nur etwa bei der Hälfte des Niveaus deutscher Standorte. Nach rund 18 Jahren Markttätigkeit schreibt Aldi Polen weiterhin Verluste. Für das Jahr 2024 wurde ein Fehlbetrag von 518 Millionen Zloty – umgerechnet rund 120 Millionen Euro – ausgewiesen, wobei etwa die Hälfte auf das operative Geschäft entfällt.
Der Wettbewerb im polnischen Lebensmitteleinzelhandel ist zudem äußerst intensiv. Marktführer ist weiterhin die Discounterkette Biedronka mit mehr als 3.800 Filialen im Land. Allein im vergangenen Jahr kamen dort 181 neue Standorte hinzu. Der Händler, der zum portugiesischen Konzern Jeronimo Martins gehört, erzielte 2025 einen Umsatz von rund 25,3 Milliarden Euro und meldete ein flächenbereinigtes Wachstum von 1,9 Prozent.
Auch andere Wettbewerber liegen beim Filialnetz deutlich vor Aldi. Lidl betreibt in Polen rund 950 Märkte, während der zur dänischen Salling Group gehörende Discounter Netto etwa 660 Standorte zählt. Viele dieser Filialen stammen aus ehemaligen Tesco-Märkten, die in den vergangenen Jahren übernommen wurden. Allerdings teilen Netto und Aldi eine Gemeinsamkeit: Auch für die Dänen ist Polen zwar der wichtigste Auslandsmarkt, bislang jedoch ebenfalls kein profitables Geschäft.
Mit der neuen Logistikstruktur und einer beschleunigten Filialexpansion will Aldi nun die Voraussetzungen schaffen, um seine Position im dynamischen polnischen Markt nachhaltig zu stärken.
