Während die Nanjing Lu als bekannteste Einkaufsmeile Shanghais bislang ohne Aldi-Filiale geblieben ist und der nächste Standort dort rund 15 Minuten entfernt liegt, wählt der Händler in Nanjing einen anderen Ansatz. Die vier neu eröffneten Filialen befinden sich in stark frequentierten, dicht besiedelten Stadtteilen. Beobachter gehen davon aus, dass Aldi in chinesischen Städten der sogenannten zweiten Kategorie schneller in zentrale Lagen vordringen kann als in der hoch verdichteten Metropole Shanghai, wo geeignete Flächen rar und teuer sind. Entsprechend erwarten Marktkenner ein zügigeres Expansionstempo in vergleichbaren Städten, bei gleichzeitig erheblichem Wachstumspotenzial.
Insgesamt betreibt Aldi Süd aktuell 95 Filialen in China. Der Markteintritt erfolgte 2019 mit der ersten Eröffnung im Reich der Mitte. Branchenbeobachter bescheinigen dem Unternehmen inzwischen, ein auf die chinesischen Konsumgewohnheiten zugeschnittenes Konzept entwickelt zu haben. In lokalen Medien wird Aldi häufig als deutsche Premium-Supermarktkette positioniert. Charakteristisch ist dabei ein sehr hoher Eigenmarkenanteil von rund 90 Prozent. Zur Eröffnung in Nanjing spielte der Händler bewusst mit seiner deutschen Herkunft und bot unter anderem eine Schwarzwälder Kirschtorte mit 15 Kirschen an. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass das Sortiment gezielt an regionale Vorlieben angepasst ist, etwa mit einer gesalzenen Ente nach Jinling-Art, einer lokalen Spezialität.
Mit der Wahl Nanjings richtet Aldi den Blick auf die Provinz Jiangsu, deren Hauptstadt die Stadt ist. Die Region gilt als wirtschaftlich stark, ist flächenmäßig etwa mit Bayern und Baden-Württemberg vergleichbar und weist eine Bevölkerungszahl auf, die sogar leicht über der Deutschlands liegt. Aldi Süd mit Sitz in Salzburg äußerte sich auf Anfrage nicht näher zu den jüngsten Expansionsschritten. Die Verantwortung für den chinesischen Wachstumsmarkt liegt seit Oktober bei Jacqueline Chen. Die Absolventin der Harvard Business School ist seit drei Jahren für Aldi China tätig und bringt Erfahrungen aus früheren Stationen bei Walmart und Metro im chinesischen Markt mit.
Gegenüber chinesischen Medien hat Aldi bestätigt, dass Nanjing künftig als Ausgangspunkt für die weitere Expansion in Ostchina dienen soll. Die ebenfalls bevölkerungsreiche Hauptstadt Beijing mit mehr als 20 Millionen Einwohnern gilt zwar grundsätzlich als attraktiver Markt, wird von Branchenkennern jedoch als logistisch zu weit entfernt eingeschätzt, um sie effizient von Shanghai aus zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund erscheint die Fokussierung auf Ostchina als strategisch konsequenter nächster Schritt.
