Aldi Nord und Aldi Süd haben nun gemeinsam eine Antwort auf die Lidl-Initiative formuliert. Am Mittwoch senkten beide Unternehmen koordiniert die Preise für rund 100 Artikel – darunter viele umsatzstarke Produkte des täglichen Bedarfs. So wurde etwa das Tandil-Waschmittel der Eigenmarke von 10,95 Euro auf 9,95 Euro reduziert. Auch Tiefkühlpizza und Milchprodukte wie Joghurt und Quark wurden günstiger angeboten – beispielweise sank der Preis für eine Pizza der Eigenmarke um 10 Cent auf nunmehr 3,49 Euro.
Mit diesem Schritt will Aldi offenbar seine langjährig etablierte Position als Preisführer im deutschen Lebensmitteleinzelhandel untermauern. Diese Rolle gilt als zentrales Element des Aldi-Geschäftsmodells. Bereits zu Wochenbeginn hatte Aldi auf die erste Welle der Lidl-Preisoffensive reagiert und einzelne Produkte kurzfristig im Preis gesenkt – insbesondere jene, bei denen Lidl ebenfalls mit Preisnachlässen geworben hatte.
In der Branche gilt es als wahrscheinlich, dass Aldi von seinen in den letzten Jahren vorgenommenen Optimierungen bei Kostenstruktur und Effizienz profitieren könnte. Beide Unternehmensgruppen haben intern viel Aufwand betrieben, um sich auf einen intensiveren Wettbewerb vorzubereiten – nun dürfte sich dieses Kostenmanagement als strategischer Vorteil erweisen.
Die Reaktionen der Mitbewerber auf die Lidl-Kampagne fallen derweil kritisch aus – wenn auch meist nicht öffentlich. Hinter vorgehaltener Hand ist die Rede von möglicherweise „irreführender Werbung“, da bislang keine belastbaren Belege darüber vorliegen, welche Artikel konkret und in welchem Umfang reduziert wurden. Auch auf Nachfrage der Fachpresse nennt Lidl keine Einzelheiten und verweist auf wettbewerbsstrategische Gründe. Man betont jedoch, es handele sich nicht um eine kurzfristige Werbeaktion, sondern um eine langfristige Preisanpassung.
Zahlreiche Marktteilnehmer – darunter Hersteller, Händler und Dienstleister – versuchen seither herauszufinden, welche Produkte tatsächlich betroffen sind. Aus der Fachpresse zugänglichen Daten zufolge dürfte die tatsächliche Zahl deutlich unter den öffentlich genannten 500 Artikeln liegen. Branchenbeobachter vermuten, dass es Lidl primär um die öffentliche Wahrnehmung ging: Die Kampagne wurde medienwirksam inszeniert und erzielte insbesondere in Boulevardmedien sowie im Fernsehen breite Aufmerksamkeit.
Ob die jüngsten Preissenkungen eine neue Phase im Wettbewerbsverhalten der deutschen Discounter einläuten oder nur eine kurzfristige Reaktion darstellen, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der Wettbewerb um die Gunst preisbewusster Kunden wird intensiver – mit spürbaren Folgen für die gesamte Branche.
