Aldi Nord mit mehr Elan im Ausland

26. November 2021 - Das Konzept des Discounters kommt zwar aus Deutschland, kommt aber nicht nur dort gut an. Gerade in den letzten Jahren konnten allen voran Lidl und Aldi Süd das deutsche Modell in viele Länder bringen und dort fest etablieren. Zusätzlich möchte jetzt noch Aldi Nord sein Stück vom Kuchen abbekommen. Dafür soll künftig mehr Tempo bei der Expansion außerhalb des Heimatmarktes gemacht werden.

Quelle: FIM Unternehmensgruppe

Nächstes Jahr wird Aldi Nord in Essen eine neue Zentrale beziehen und damit Platz für rund 2.000 Mitarbeiter schaffen. Einige Leute blicken skeptisch auf die große und moderne Büroanlage, da sie so gar nicht den kargen minimalistischen Anfängen der Aldi-Einkauf OHG ähnelt. Dieser Traditionsbruch soll jedoch ein Zeichen setzen. Künftig soll größer gedacht werden bei dem Essener Discounter und die neue Zentrale wird eine wichtige Rolle als Dienstleister für die verschiedenen Landesgesellschaften spielen.

Die Zentrale soll dazu dienen, dass einheitliche Strukturen über alle Länder hinweg implementiert werden können. Prozesse und Kommunikation soll vereinfacht und koordiniert werden, so dass jeder von jedem lernen kann. Dazu zählt auch eine Freude am Experimentieren. Momentan werden große Summen in Projekte gesteckt, die in den nächsten Jahren erst noch beweisen müssen, dass sie dem operativen Tagesgeschäft dienlich sein können. Diese Experimente finden häufig jenseits des Heimatmarktes statt. In Utrecht eröffnet Aldi Nord beispielsweise im Januar einen ersten kassenlosen Markt, in Spanien wird mit einem Kooperationspartner (Glovo) Erfahrung mit Lieferdiensten gesammelt und in den Niederlanden wird eine Software zur automatisierten Warendisposition auf den Prüfstand gestellt.

Momentan kommt noch etwa die Hälfte des gesamten Umsatzes aus dem deutschen Markt. Der Gesamtumsatz der Gruppe beläuft sich momentan auf etwa 24,2 Mrd. Euro (netto). Große Erfolge konnten bisher außerhalb des Heimatmarktes noch nicht gefeiert werden. Die Erfolgsgeschichten der Schwestergesellschaft Aldi Süd oder Lidl mussten bisher ausbleiben. Damit sich die großen Investitionen und Umstrukturierungsmaßnahmen auszahlen, muss künftig der Umsatz im Ausland ordentlich zulegen.

In Frankreich könnte der erste Erfolg dieser Initiative bald gefeiert werden. Momentan ist Aldi Nord dabei, das größte Integrationsprojekt der Firmengeschichte abzuschließen. Insgesamt wurden 547 Leaderprice-Märkte auf das Aldi-Format umgeflaggt und angepasst. Bisher war in Frankreich vor allem Lidl für Discount bekannt. Mit den zusätzlichen Standorten kommt Aldi insgesamt auf 1.307 Filialen im Nachbarland und ist damit nur noch etwa rund 200 Standorte hinter dem Konkurrenten der Schwarz Gruppe. Das Vorbild aus Frankreich könnte Schule machen. Statt organisch zu wachsen, könnten Akquisitionen dabei helfen den großen Abstand zur Konkurrenz mittelfristig schrumpfen zu lassen.

Es ist attraktiv für deutsche Discounter ihr Glück im Ausland zu suchen. In der Regel ist der Wettbewerb nicht so stark wie im Heimatmarkt. Dadurch sind bessere Renditen möglich, unter anderem auch, weil der Preisdruck nicht so stark ausfällt. Häufig reicht es schon für den Erfolg, wenn man ein bisschen günstiger ist als das direkte Wettbewerbsumfeld. Aldi Nord baut jetzt neue Logistikzentren und versucht die Filialzahl zu steigern. In diesem Jahr gelang das, dank der Integration von Leaderprice, außerordentlich gut und es konnten mehr als 500 neue Standorte platziert werden.