Die Wurzeln von Action reichen in das Jahr 1993 zurück, als die Gründer Gerard Deen und Rob Wagemaker ihren ersten Markt im niederländischen Enkhuizen eröffneten. Von Beginn an setzte das Unternehmen auf ein Discountprinzip mit wenigen Artikeln, schlanker Logistik und klaren Prozessen – inspiriert vom deutschen Discountmodell. Anders als Aldi oder Lidl investierte Action bewusst nicht in eigene Immobilien, sondern expandierte ausschließlich über gemietete Flächen, um Kapitalbindung zu vermeiden.
In Deutschland startete das Unternehmen 2009 mit einem ersten Markt in Schüttorf. Es folgten Osnabrück (2010) und Cloppenburg (2011). Die große Wachstumsphase begann jedoch erst nach dem Einstieg von 3i. Zunächst konzentrierte sich Action auf das Ruhrgebiet, um die Nähe zum Zentrallager im niederländischen Zwaagdijk zu wahren, bevor ab 2016 eine bundesweite Expansion eingeleitet wurde. 2017 erreichte das Wachstum mit rund 80 Neueröffnungen in einem Jahr einen bisherigen Höhepunkt. Heute ist Action auch in deutschen Großstädten wie Berlin, München und Düsseldorf fest etabliert.
Seit 2022 führt Hajir Hajji, die ihre Karriere als Regalauffüllerin begann und innerhalb des Unternehmens sämtliche Stationen durchlief, den Konzern. Insider beschreiben die Führung bei Action als stark zentralisiert – weniger aus persönlicher Prägung, sondern aufgrund des Geschäftsmodells selbst, das auf klaren KPI-Strukturen, definierten Prozessen und strikten Vorgaben basiert.
Die Filialen sind in der Regel rund 1.000 m² groß, das Sortiment umfasst etwa 6.000 Artikel, von denen 95 Prozent europaweit identisch sind. Geliefert wird – kostengünstig und auf Non-Food abgestimmt – mit doppelstöckigen Lkw. Entscheidungen über neue Standorte liegen stets in der Unternehmenszentrale; lokale Manager evaluieren lediglich vor, die finale Freigabe erfolgt in Zwaagdijk.
Einzugsgebiete von mindestens 30.000 Einwohnern und Mietkosten von ursprünglich maximal 5 Prozent des erwarteten Jahresumsatzes waren lange harte Vorgaben. Zwar wurde diese strikte Mietquote inzwischen gelockert, doch die Wirtschaftlichkeit wird weiterhin eng überwacht. Standortkriterien, die nicht erfüllt werden, führten früher zur automatischen Ablehnung – ein Grund, warum Action zu Beginn seiner Deutschlandexpansion häufiger an verwaltungsrechtlichen Hürden scheiterte. Branchenkenner berichten, dass der Händler dieses Segment inzwischen stark professionalisiert hat und heute deutlich detailliertere Prüfprozesse nutzt.
Interne Unterlagen, die dem Handelsblatt vorlagen, zeigen die hohen Renditeerwartungen: Für einen norddeutschen Standort kalkulierte Action mit einem Deckungsbeitrag von rund 15,5 Prozent – nach Abzug sämtlicher Kosten. Zusätzlich sollten die Umsätze in drei Jahren um knapp 20 Prozent steigen. Das sei, so Handelsexperte Carsten Kortum, im Non-Food-Segment nahezu beispiellos.
Entscheidend für den Erfolg ist die enorme Flächenproduktivität. Action erzielt auf vergleichbarer Verkaufsfläche den vier- bis fünffachen Umsatz anderer Non-Food-Discounter wie Tedi oder Kik. Verantwortlich dafür ist vor allem das Sortiment: Artikel des täglichen Bedarfs – darunter Lebensmittel, Haushaltspflege, Körperpflege und Tiernahrung – sorgen für hohe Frequenz und starken Warenumschlag.
Der Wertzuwachs der Beteiligung hat zahlreichen 3i-Managern außergewöhnliche Vermögenszuwächse beschert. Durch sogenannte „Carried-Interest“-Programme wurden seit 2020 in mehreren Tranchen insgesamt rund 1,5 Mrd. Pfund an 81 aktuelle und ehemalige Führungskräfte ausgeschüttet. Inzwischen hält 3i etwa 57 Prozent an Action, das allein 76 Prozent des Gesamtwertes des Private-Equity-Portfolios ausmacht. Diese starke Fokussierung führt zunehmend zu Diskussionen in der Branche, ob das Risiko für 3i nicht zu einseitig geworden sei.
Die Bewertung von Action steht nun unter enger Beobachtung. Anfang November reagierte der Kapitalmarkt empfindlich, als das Unternehmen für das dritte Quartal ein niedrigeres Umsatzwachstum meldete. Bereits zuvor hatte der Hedgefonds Shadowfall gegen 3i gewettet, weil er die aktuelle Bewertung für überhöht hält.
Der Markt spekuliert darüber, wie und wann 3i einen Ausstieg realisieren könnte – sei es über einen Börsengang, einen Teilverkauf oder den Einstieg eines neuen Investors. Für einen lukrativen Exit braucht Action nach Einschätzung von Experten allerdings eine neue Wachstumserzählung.
Ein möglicher Hinweis: Im Juli 2024 nahm Action erstmals über den US-Finanzmarkt eine Fremdfinanzierung in Höhe von 1,5 Mrd. US-Dollar auf. Offiziell ist das Kreditpaket nicht für eine Expansion in die USA vorgesehen, doch der Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt gilt als strategisch bedeutender Schritt. Insider sehen darin zumindest eine Vorbereitung auf größere Pläne.
Ob der Markteintritt in den USA tatsächlich gelingt, ist allerdings offen. Branchenkenner betonen, dass der Schritt mit erheblichen Risiken verbunden wäre – auch wenn Action in Europa bewiesen hat, dass das Modell auf vielen Märkten funktioniert.
Action hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der prägendsten Kräfte im europäischen Non-Food-Handel entwickelt – mit einem extrem skalierbaren Konzept, hoher Flächenproduktivität und strikten Renditevorgaben. Für den Investor 3i wurde die Beteiligung zu einer Ausnahmeerfolgsgeschichte. Gleichzeitig steigt der Druck, neue Wachstumspfade zu erschließen, damit die Erfolgsstory fortgeschrieben werden kann.
