Action prüft Teilflächen in Hammer-Filialen

02. Oktober 2025 - Die Brüder-Schlau-Gruppe steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Im Zuge des laufenden Eigenverwaltungsverfahrens nach der im November 2024 eingereichten Insolvenz wird das Unternehmen in seiner bisherigen Struktur nicht weitergeführt. Während für den Großhandelsteil keine Gesamtlösung gefunden werden konnte, zeichnet sich für den Einzelhandelsbereich – insbesondere die Marke Hammer – eine mögliche Teillösung ab.

Quelle: Action Nederland B.V./Wikimedia Commons

Nach offiziellen Angaben aus dem Unternehmen werden derzeit rund 120 der bestehenden etwa 170 Hammer-Filialen als Standorte für eine Fortführung in Betracht gezogen. Dabei soll ein Teil dieser Flächen künftig durch den niederländischen Non-Food-Discounter Action genutzt werden. Brancheninsider berichten, dass die Überlegung darin besteht, die bestehenden Verkaufsflächen zu teilen: Hammer würde auf reduzierter Fläche weiter betrieben, während Action die freigewordenen Flächen übernimmt. Eine entsprechende Standortliste liegt Action nach Informationen der Immobilien Zeitung bereits vor. Eine offizielle Bestätigung für diesen Plan gibt es jedoch bislang nicht. Eine Sprecherin des Unternehmens teilte lediglich mit, man befinde sich fortlaufend auf der Suche nach geeigneten Immobilien.

Die Pläne erscheinen angesichts des Expansionskurses von Action durchaus nachvollziehbar. Der Discounter betreibt mittlerweile rund 600 Filialen in Deutschland und baut aktuell ein viertes Logistikzentrum im bayerischen Berg. Action gilt als zuverlässiger Mieter mit hoher Kundenfrequenz – eine Kombination, die bei Vermietern im Einzelhandelssegment stark nachgefragt ist.

Allerdings stehen der Realisierung dieses Modells einige praktische Hürden im Weg – insbesondere rechtlicher und wirtschaftlicher Natur. So befindet sich ein Großteil der Hammer-Märkte in sogenannten Sondergebieten (SO-Gebiete), deren baurechtliche Widmung spezifisch auf das Sortiment und die Ausrichtung von Hammer zugeschnitten ist. Der Verkauf innenstadtrelevanter Sortimente – wie sie Action typischerweise anbietet – ist dort häufig nicht zulässig.

Fachmarktexperten weisen darauf hin, dass eine Nutzung durch Action in diesen Fällen nur mit einer entsprechenden Genehmigung der Kommune möglich wäre. Sollte diese versagt werden, müssten potenzielle Mietverträge rückabgewickelt werden – ein nicht zu unterschätzendes Risiko, wie zuletzt mehrfach in der Branche zu beobachten war. In den vergangenen drei Jahren wurden laut Branchenkennern mehr Mietverhältnisse aufgrund fehlender baurechtlicher Voraussetzungen aufgehoben als im gesamten vorangegangenen Jahrzehnt.

Auch wirtschaftlich ist das Konzept herausfordernd. Die Aufteilung bestehender Verkaufsflächen in zwei autarke Einheiten ist mit erheblichem baulichem Aufwand verbunden – und kann je nach Standort Kosten im hohen sechsstelligen oder sogar siebenstelligen Bereich verursachen. Wer diese Investitionen letztlich trägt – der Insolvenzverwalter, potenzielle neue Mieter oder die Eigentümer – ist derzeit nicht abschließend geklärt. Vermieter könnten angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit und des insolventen Status von Hammer zögern, entsprechende Vorleistungen zu erbringen, wenn sich daraus keine signifikant gesteigerten Mieterträge ergeben. Stimmen aus dem Markt schätzen, dass allenfalls ein kleiner Teil der betroffenen Standorte – vermutlich weniger als zehn Prozent – tatsächlich für eine gemeinsame Nutzung durch Hammer und Action in Frage kommen wird.

Unterdessen erhalten erste Vermieter bereits Kündigungsschreiben für Hammer-Standorte mit Wirkung zum Jahresende. Dies deutet darauf hin, dass die Verhandlungen um die künftige Struktur des Filialnetzes voranschreiten – allerdings nicht überall mit dem gewünschten Ergebnis.

Die Geschichte der Brüder-Schlau-Gruppe reicht bis ins Jahr 1921 zurück, als das Unternehmen als Großhändler für Farben in Minden gegründet wurde. Erst in den 1970er-Jahren wurde unter der Leitung von Eberhard Beeth der Einzelhandel unter dem Namen Hammer aufgebaut, zunächst ergänzend zu den bestehenden Handwerkermärkten. Auch wenn einzelne Filialen heute in stark frequentierten Gewerbegebieten liegen, befinden sich viele Standorte weiterhin abseits klassischer Einzelhandelslagen – ein Überbleibsel der gewerblichen Herkunft des Unternehmens.

An der Spitze der Gruppe steht seit 2020 Caroline Neffe, Enkelin des 2024 verstorbenen Firmengründers Beeth. Unter ihrer Führung durchläuft Hammer derzeit eine umfassende strategische Neuausrichtung. Ziel sei es, die Marke als kompetenten Anbieter für Raumgestaltung mit einem umfassenden Dienstleistungsanspruch zu positionieren – unter dem Claim „Deutschlands Raumstylist Nummer 1“. Neben hochwertigen Produkten sollen Beratung und Handwerksleistungen im Zentrum stehen. Ob und wie dieser Kurs in einem künftig verkleinerten Filialnetz realisiert werden kann, bleibt allerdings abzuwarten.