Das starke Expansionstempo bleibt ein zentraler Wachstumstreiber für Action. Gleichzeitig belegt die Studie, dass der Händler immer häufiger auch mit schnelldrehenden Konsumgütern (FMCG) punktet. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Marktforscher bemerkenswert, da Kunden für entsprechende Einkäufe zunehmend ihre gewohnten Einkaufsstätten verlassen und zu Action wechseln. Für etablierte Anbieter im Lebensmittelsegment ergibt sich daraus ein zusätzlicher Wettbewerbsdruck.
„Action ist längst nicht mehr ausschließlich ein Nonfood-Discounter, sondern entwickelt sich schrittweise zu einer ernstzunehmenden Größe im FMCG-Bereich“, erklärt Nathalie Stepien, Handelsexpertin beim Nielsen IQ Haushaltspanel. Ihre Analyse der Kategorien Food und Nearfood zeigt, dass Action insbesondere bei Nearfood relevante Umsätze von den großen Lebensmittel-Discountern abzieht.
Damit verschärft sich die Situation für Anbieter wie Aldi und Lidl gleich doppelt. Zum einen konkurriert Action bereits seit Jahren intensiv im Nonfood-Segment, das durch den Onlinehandel ohnehin unter Druck geraten ist. Zum anderen wächst nun auch die Bedeutung von Food- und Nearfood-Angeboten bei Action – genau in jenen Bereichen, die für stationäre Händler zunehmend als Frequenzbringer dienen müssen.
Aktuell kaufen bereits 13,7 Prozent der deutschen Haushalte FMCG-Produkte bei Action. Zwar liegt der erzielte Umsatz mit rund 150 Millionen Euro noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau und der Marktanteil bleibt unter einem Prozent. Die Wachstumsraten sind jedoch auffällig hoch: Im Nearfood-Bereich weist Nielsen IQ für den Zeitraum von Jahresbeginn bis Ende September ein Umsatzplus von 73 Prozent aus. Davon stammen 43 Prozent aus einem tatsächlichen Wechsel der Einkaufsstätte. Im Food-Segment beträgt das Umsatzwachstum 35 Prozent, wobei sogar 67 Prozent des zusätzlichen Umsatzes auf Kunden zurückzuführen sind, die zuvor bei anderen Händlern eingekauft haben.
Ein weiterer Befund der Studie betrifft die Kundenbindung. Action gelingt es offenbar schnell, Erstkäufer zu regelmäßigen Kunden zu machen. Die Wiederkaufsraten steigen kontinuierlich an, was in Kombination mit der fortgesetzten Filialexpansion auf erhebliches Umsatzpotenzial hindeutet. Ein Blick nach Frankreich unterstreicht diese Einschätzung: In einem insgesamt kleineren Markt betreibt Action dort bereits mehr als 800 Filialen. Französische Konsumenten geben beispielsweise rund 14 Prozent ihres Budgets für Körperpflegeprodukte bei Action aus – ein Indikator für die Relevanz des Sortiments auch jenseits von Nonfood.
Bemerkenswert ist zudem die Motivation vieler Kunden, die Filialen aufzusuchen. Ein Teil der Käufer empfindet das Angebot als besonders „inspirierend“, da der häufige Sortimentswechsel regelmäßig neue Produkte in die Regale bringt. Damit übernimmt Action für diese Kundengruppe eine ähnliche Rolle, wie sie oft Drogeriemärkten wie dm oder Rossmann zugeschrieben wird. Auch dort kommen viele Verbraucher ohne konkrete Kaufabsicht, um sich inspirieren zu lassen. „Viele Menschen besuchen die Märkte gezielt zum Stöbern“, so Stepien. Ein entscheidender Faktor bleibt dabei das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis.
Action ist mehrheitlich im Besitz des börsennotierten Private-Equity-Investors 3i, der rund 60 Prozent der Anteile hält. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro und verzeichnete ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von über zehn Prozent. Mit jährlich mehr als 300 neuen Standorten ist Action europaweit inzwischen mit über 3.100 Filialen vertreten. In Deutschland umfasst das Filialnetz bereits mehr als 600 Märkte.
