Ceconomy verstärkt Marktplatzaktivitäten

03. Mai 2024 - Mediamarkt-Saturn plant, den Ertrag durch eine verstärkte Fokussierung auf Marktplatzgeschäfte sowohl online als auch stationär erheblich zu steigern.

Quelle: Wikimedia Commons

Mediamarkt-Saturn setzt auf die Expansion seiner Marktplätze, um das Geschäft anzukurbeln. Während das eigene Online-Geschäft reduziert wird, legt der Elektronikhändler den Schwerpunkt auf den Ausbau digitaler und stationärer Plattformen.

Seit wenigen Wochen liegt die Verantwortung für den Marktplatzfortschritt in ganz Europa in den Händen von Christian Kollesch. Seit März besetzt er die neu geschaffene Rolle des Managing Director Marketplace International. Zuvor war er für den deutschen Marktplatz verantwortlich.

Kollesch ist zuversichtlich, dass die Zukunft von Mediamarkt-Saturn und der Muttergesellschaft Ceconomy vom Erfolg der Marktplätze abhängt: „Aktuell betreiben wir ein sehr, sehr profitables Geschäft. Ohne zu konkret zu werden, tragen wir einen großen Teil zu unserem Gruppenergebnis bei." Im letzten Geschäftsjahr (September 2023) erzielte Ceconomy einen Gesamtnettoumsatz von 22,2 Mrd. Euro. Aufgrund gestiegener Kosten und Investitionen in die Neuaufstellung der Filialen verzeichnete Ceconomy jedoch einen Vorsteuerverlust von 42 Mio. Euro. In diesem Jahr erwarten Analysten eine Stagnation der Umsätze und eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Kolleschs Plan zur Umsatzsteigerung: Im Juli soll der Marktplatz in Italien live gehen, gefolgt von Polen, Schweiz, Türkei, Ungarn, Belgien und Luxemburg in den nächsten zwei Jahren. „Wenn wir dieses Ziel erreicht haben, beschäftigen wir uns damit, wie es weitergehen kann", deutet Kollesch an. Eintritte in Länder ohne stationäres Geschäft sind ebenfalls denkbar, aktuell liegt der Fokus jedoch auf den bestehenden Märkten.

Kurzfristig sieht Kollesch Wachstumspotenzial in der Erweiterung der Plattform um neue Sortimente: „Ich denke zum Beispiel an Rasenmäher-Roboter. Eigentlich an alles, was einen Akku oder Stecker hat oder komplementär zu Consumer Electronics Produkten ist." Auch Bereiche wie Sanitätsbedarf sollen wichtiger werden. Hier befinde man sich in finalen Verhandlungen mit einem Unternehmen, das sowohl online als auch stationär Produkte als Marktplatz-Partner anbieten werde. Mediamarkt bezeichnet dieses Geschäftsmodell als Space-as-a-Service, um überschüssige Flächen in den Filialen auszulasten. Diese „Experience-Zones" sollen pro Markt 10 bis 25 Quadratmeter umfassen. Ein anderer Ansatz betrifft den Bereich wiederaufbereiteter Produkte, mit einem Pop-Up-Store in Tübingen, der von Marktplatzhändlern reparierte Elektrogeräte anbietet.

Diese Ankündigungen sind Teil eines Mittelfristplans. Im letzten Jahr verdoppelte Mediamarkt die Marktplatzumsätze (gross merchandise value, GMV) auf 137 Mio. Euro. Auch in diesem Jahr ist eine weitere Verdopplung angestrebt, um bis Ende des Geschäftsjahres 2025/26 das GMV auf 750 Mio. Euro zu steigern.

Kollesch wischt Kannibalisierungsbefürchtungen zu Lasten des eigenen Onlinegeschäfts mit der Aussicht auf weitere ertragreiche Felder beiseite. Dazu zählen Retail-Media sowie Finanzierungs- und Versicherungsdienstleistungen für Marktplatzprodukte. Seit diesem Monat gibt es in Deutschland die Möglichkeit, mit sogenannten Sponsored Product Ads eine höhere Sichtbarkeit zu erreichen. Finanzierungen als weitere Zahlungsart für Marktplatzprodukte sollen im kommenden Quartal eingeführt werden. Fakt ist, dass die eigene Produktanzahl bereits drastisch reduziert wurde und auf ein hochfrequentes Basissortiment getrimmt werden soll.